ERP-Schnittstellen für Abacus, SelectLine, Sage, Praxissoftware

Die DACH-Klassiker haben dokumentierte APIs, undokumentierte Ecken und Quirks, die man nur durch Praxis kennt. Ich arbeite seit Jahren mit diesen Systemen und baue Schnittstellen, die stabil laufen.

AbacusSelectLineSageProffixPraxissoftwareXMLODBCRESTEDI

Warum ERP-Schnittstellen eine eigene Disziplin sind

Eine ERP-Schnittstelle zu bauen ist etwas anderes, als zwei moderne REST-APIs zu verbinden. Das liegt nicht daran, dass ERPs schlechter sind, sondern daran, dass sie älter und geschäftskritischer sind. Im Hintergrund stehen Datenbanken mit teilweise dreissig Jahren Altdaten, tief integrierten Modulen und Logiken, die niemand mehr auflösen will, weil “es läuft halt so”. Wer hier einfach nach Schema F eine Schnittstelle dranschraubt, riskiert, dass die Buchhaltung am nächsten Monatsende nicht mehr stimmt.

Ich arbeite mit diesen Systemen seit Jahren. Ich kenne die offiziellen Wege und weiss auch, wo die inoffiziellen sind, an denen man dranklinkt, wenn die offizielle API eine Funktion einfach nicht anbietet. Ich kenne die typischen Stolperfallen, und ich kenne die Unterschiede zwischen Versionen.

Abacus

Abacus ist der Schweizer Klassiker für mittelgrosse Betriebe, und das aus gutem Grund: es deckt Buchhaltung, Lohn, Fakturierung, Zeiterfassung und CRM in einem konsistenten Paket ab. Wer Abacus vernünftig im Einsatz hat, will sich ungern davon trennen. Typische Integrationsaufgaben:

  • Fakturierung an Shop. Shopify, WooCommerce, Magento und andere, Bestellungen sollen als Abacus-Belege landen, idealerweise mit sauberer Debitoren-Zuordnung.
  • Bestandsabgleich. Der Verkauf an den Shop soll die Lagerzahlen in Abacus reduzieren, ohne dass die Buchhaltung per Hand nacharbeitet.
  • Preisimport aus Lieferantenlisten. Einmal pro Woche oder Monat neue Lieferantenpreise einspielen, ohne dass jemand stundenlang Excel-Tabellen tippt.
  • Zeiterfassung-Abgleich mit dem Lohnmodul, wenn die Zeiterfassung in einem externen Tool geschieht.
  • Reporting in externen BI-Tools. Metabase, Superset oder Power BI direkt auf die Abacus-Datenbasis, statt monatlicher manueller Exporte.

Abacus bietet AbaConnect und ODBC-Zugriff. Beide haben ihre Einsatzgebiete. AbaConnect ist der sauberere Weg für Schreibzugriffe, ODBC ist oft einfacher für Lese-Reports. Ich wähle nach dem Fall.

SelectLine

SelectLine ist das Arbeitstier in vielen kleineren KMU im DACH-Raum. Schlank, stabil, gut dokumentiert. Hat einen ODBC-Treiber und eine COM-Schnittstelle, und für neuere Versionen gibt es auch eine REST-API. Typische Integrationen:

  • Shop-Anbindung an Shopware, WooCommerce, JTL, Shopify. Artikelstamm, Bestände, Bestellungen, Rechnungsdokumente.
  • Dokumenten-Automation. Rechnungen automatisch per Mail an Kunden schicken, inklusive Anhang und Betreffzeile, die der Kunde auch lesen mag.
  • Datev-Export oder Übertragung an den Treuhänder.
  • Stammdaten-Pflege per Script, wenn die manuelle Arbeit in der GUI zu aufwendig wird.

SelectLine hat den Charme, dass man mit ODBC fast alles lesen kann, bei Schreibzugriffen wird es kniffliger, weil die Konsistenz von internen Logiken abhängt. Meine Faustregel: Schreibzugriffe laufen über die offiziellen APIs, auch wenn ein direkter SQL-Insert technisch möglich wäre. Das rächt sich sonst beim nächsten Versions-Update.

Sage

Sage 50 und Sage Start sind in der Schweiz weit verbreitet, vor allem bei kleineren Betrieben und Treuhand-Kunden. Die Schnittstellen sind weniger reichhaltig als bei Abacus oder SelectLine, aber für viele Fälle ausreichend. Häufige Aufgaben:

  • Import-Automation für wiederkehrende Belege (Dauer-Rechnungen, Mieten, Abos).
  • Export an Treuhänder oder Steuerbehörden in den richtigen Formaten.
  • QR-Rechnung für Ausgangsrechnungen, wenn die native Unterstützung noch nicht reicht.
  • Zahlungsabgleich mit camt.054-Dateien aus dem E-Banking, wenn die automatische Zuordnung hakt.

Bei Sage arbeite ich oft mit Dateischnittstellen (CSV, XML), weil die API-Oberfläche begrenzt ist. Das ist kein Nachteil, solange die Prozesse sauber aufgesetzt sind.

Praxissoftware

Ein eigenes Feld. Praxissoftware in der Schweiz heisst: Vitomed, Aeskulap, PraxSys, Delemed, Covercard, mediX, Triamed und ein gutes Dutzend mehr. Jede hat ihren eigenen Datenbestand, ihre eigene Philosophie und ihre eigenen Schnittstellen. Typische Aufgaben:

  • Laborauftrag an externe Labors per HL7 oder proprietärem Format, plus Rückimport der Ergebnisse.
  • Rechnungsabgleich mit Krankenkassen, tarifsystemkonform nach TarMed/TARDOC, inklusive Rückläufer-Handling.
  • Mediziner-Dashboards für interne Kennzahlen (Patientenzahlen, Leistungsmix, Auslastung).
  • Terminbuchung von Patientenportalen oder Websites direkt in die Praxissoftware.
  • Datenmigration zwischen alter und neuer Praxissoftware, ein Thema, bei dem viel Erfahrung wert ist.

Dieses Feld ist heikel, weil Patientendaten unter den strengsten Datenschutz-Regeln stehen. Jede Lösung, die ich hier baue, berücksichtigt das revDSG und das KVG mit ihren konkreten Anforderungen an Protokollierung, Zugriffsschutz und Datenminimierung.

Proffix, Topal, BexOnline, was ist mit anderen Systemen?

Ich arbeite auch mit kleineren Schweizer ERPs, wenn sie eine vernünftige Schnittstelle haben. Proffix ist in vielen KMU im Einsatz und hat eine brauchbare REST-API. Topal wird oft über Datenbank-Zugriff angebunden. Bei unbekannten Systemen schaue ich mir die Dokumentation an und sage ehrlich, ob ich ein realistisches Angebot machen kann oder ob ich lieber jemanden mit mehr Erfahrung empfehle.

Was du beim Erstgespräch dabei haben solltest

  • Welches System du im Einsatz hast, inklusive Versionsnummer
  • Welche Module aktiv sind (Buchhaltung, Fakturierung, Lohn, Lager, CRM)
  • Wie die Infrastruktur ausschaut (lokal, gehostet beim Hersteller, Cloud)
  • Was du konkret anbinden willst und was das Zielsystem ist
  • Welcher Teil heute manuell gemacht wird, mit ungefährer Häufigkeit und Zeitaufwand

Mit diesen Infos kann ich meist schon im ersten Gespräch einschätzen, wie gross der Aufwand wird und ob es sich für dich lohnt.

Wann du mich kontaktieren solltest

  • Du hast Abacus, SelectLine, Sage oder eine Praxissoftware im Einsatz und willst etwas anbinden, was der Hersteller nicht nativ anbietet
  • Deine bestehende Schnittstelle läuft instabil und niemand findet die Ursache
  • Du planst einen Wechsel der externen Systeme und willst vorher wissen, ob die Anbindung realistisch ist
  • Dein ERP-Dienstleister macht einen Change nicht oder zu teuer, und du suchst jemanden, der es schlanker umsetzt